Portigon kommt beim Umbau voran

  • Hochkomplexe Transaktionen erfolgreich umgesetzt
  • Ergebnis 2012 durch Effekte und Sonderbelastungen aus dem Konzernumbau geprägt
  • Kapitalschonender Rückbau der Portigon AG sowie zügiger Aufbau der Servicetochter Portigon Financial Services im Fokus


Die Portigon AG hat im Geschäftsjahr 2012 wichtige Schritte in der grundlegenden Transformation des Konzerns vollzogen. Auf Basis der EU-Entscheidung vom 20. Dezember 2011 gelang es, mit der WestLB eine systemrelevante Bank vom Markt zu nehmen. Dies wurde vor allem durch die Übertragung umfangreicher Portfolios auf die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), den Transfer der Verbundbank auf die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und durch Teilverkäufe von Tochtergesellschaften erreicht. Zugleich trieb Portigon die Neuaufstellung als international tätiger Anbieter von Portfolio Services voran.

Dietrich Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Portigon AG: „Das Jahr 2012 markierte eine tiefgreifende Zäsur. Die WestLB hat den Betrieb als Geschäftsbank planmäßig zur Jahresmitte beendet. Der Geschäftszweck wurde unter dem Namen Portigon komplett verändert. Im Zuge dieses Umbaus mussten wir erhebliche finanzielle Belastungen verarbeiten, die unser Jahresergebnis maßgeblich prägen. Gleichzeitig haben wir damit begonnen, das Unternehmen als schlagkräftigen Dienstleister in der Servicierung von Portfolios neu aufzustellen. Die Umsetzung wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Für diesen Prozess hatten die Eigentümer eine Kapitalbasis von 4,1 Mrd € in der Gesellschaft belassen.“

Der Jahresabschluss 2012 ist maßgeblich von dieser Transformation und den damit verbundenen Aufwendungen gekennzeichnet. Die Kern-Bilanzsumme des Unternehmens verminderte sich um 94% auf 9,5 Mrd €. Aufgrund der Einstellung des traditionellen Bankgeschäfts gingen die Erträge der Portigon AG im zweiten Halbjahr deutlich zurück und wurden im Wesentlichen durch die Servicierung der Portfolios von EAA und Helaba erzielt. Dies führte zu einer grundlegenden Veränderung der Ergebnisstruktur.

Gleichzeitig musste das Unternehmen erhebliche Belastungen durch den Rückbau der Infrastruktur und hohe Restrukturierungsaufwendungen verkraften. Wie bereits zur Vorlage des Jahresabschlusses 2011 angekündigt, schloss die Portigon AG das Geschäftsjahr 2012 mit einem negativen Ergebnis ab. Der Jahresfehlbetrag nach Steuern (HGB) erreichte 569,6 Mio € (i.V. – 619,3 Mio €). Das Jahresergebnis wurde dabei durch Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 195,9 Mio € sowie durch transaktionsbedingte Rechts- und Beratungskosten in Höhe von 133,1 Mio € nennenswert belastet.

Die stillen Einlagen und das Genussrechtskapital nehmen gemäß den Emissionsbedingungen am handelsrechtlichen Bilanzverlust teil. Der Rückzahlungsanspruch beträgt nunmehr 72,4% für die Genussscheine und 69,8% für die Hybrid Tier 1-Anleihen aus dem Jahr 2005. Zudem unterbleibt für diese Instrumente vertragsgemäß die Zinszahlung für das Jahr 2012.

Portigon erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr Servicierungs-erträge in Höhe von 312,4 Mio € (i.V. 72,9 Mio € in den sonstigen betrieblichen Erträgen), die das Provisionsergebnis prägen. Gegenläufig fielen hier insbesondere Garantiegebühren für synthetisch übertragene Bestände in Höhe von 110,1 Mio € an. Insgesamt betrug der Provisions-überschuss 281,4 Mio € (i.V. 279,6 Mio €). Der Zinsüberschuss belief sich auf 169,1 Mio € (i.V. 848,4 Mio €). Darin sind u.a. Erträge aus den von der EAA garantierten Krediten sowie ein migrationsbedingter Verlust in Höhe von 290,7 Mio € aus der Auflösung von Sicherungsderivaten enthalten. Diesem Verlust steht in identischer Höhe ein sonstiger betrieblicher Ertrag gegenüber. Der Verwaltungsaufwand belief sich auf 926,7 Mio € (i.V. 848,3 Mio €). Der Personalaufwand stieg leicht auf 425,3 Mio € (i.V. 410,7 Mio €). Hierin enthalten ist ein Anstieg der Altersvorsorge-aufwendungen in Höhe von 89,7 Mio €. Die Zahl der Vollzeitkräfte in der Portigon AG ging gegenüber Ende 2011 um 1.007 auf nunmehr 2.559 zurück; im Konzern lag sie bei 2.624 (Ende 2011: 4.188). Die anderen Verwaltungsaufwendungen nahmen aufgrund deutlich erhöhter Rechts- und Beratungskosten im Zusammenhang mit den Transaktionen auf 501,4 Mio € (i.V. 437,6 Mio €) zu. Der Saldo aus sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen erhöhte sich auf 157,5 Mio € (i.V. – 18,8 Mio €) und resultiert vorwiegend aus der Erstattung für die im Zinsüberschuss enthaltenen migrationsbedingten Verluste aus der Auflösung von Sicherungsderivaten. Das außerordentliche Ergebnis in Höhe von – 227,8 Mio € (i.V. 437,9 Mio €) ist im Wesentlichen auf höhere Rückstellungen für den weiteren Personalabbau in Höhe von netto 136,5 Mio € zurückzuführen.

Die Kern-Bilanzsumme sank unter Bereinigung der von der EAA abgesicherten Positionen um 94% auf 9,5 Mrd €. Da aufgrund rechtlicher und steuerlicher Hemmnisse in den Übertragungswegen ein rechtlicher Transfer von Portfolios auf die EAA nicht in jedem Fall möglich war, weist die Bilanzsumme zum Jahresende 2012 noch in erheblichem Umfang Bankgeschäfte aus. Die mit diesen Aktiva und Passiva verbundenen Risiken liegen jedoch vollständig bei der EAA. Dies betrifft Treuhandvermögen in Höhe von 73,5 Mrd € für abgesicherte Derivateportfolios sowie von der EAA garantierte Positionen in Höhe von 12,9 Mrd €. Die berichtete Gesamt-Bilanzsumme der Portigon AG belief sich per Ende 2012 demnach auf 95,9 Mrd € (31.12.2011: 152,3 Mrd €). Die EAA übernahm Risiken für Portfolios mit einem Volumen von insgesamt rund 90 Mrd €.

Im Geschäftsjahr 2013 steht der zügige Aufbau einer schlagkräftigen Servicetochter im Fokus. Die Portigon Financial Services wird im Oktober 2013 mit zunächst rund 500 Beschäftigen an den Start gehen. Der weitere Personalaufbau wird der Geschäftsentwicklung folgen. Darüber hinaus wird Portigon im laufenden Jahr die nicht für die Servicierung erforderlichen Kapazitäten weiter deutlich reduzieren. Auf der Agenda stehen zudem die Fortführung der Schließung von ausländischen Betriebsstätten sowie die weitere Vermietung von frei werdenden Gebäuden. Die Bilanz wird insbesondere durch eine Anpassung der Übertragungswege weitreichend bereinigt. Unter dem Strich erwartet der Vorstand für das Geschäftsjahr 2013 einen Verlust in Höhe von rund 1 Mrd €. Maßgeblichen Anteil hieran hat eine Abgeltungsvereinbarung für bestehende Erstattungsansprüche der NRW.BANK im Zusammenhang mit Pensionsverpflichtungen, die 2013 im Rahmen einer Bereinigung stiller Lasten zu einer Einmalbelastung in Höhe von rund 574 Mio € führt. Für 2014 wird operativ mit einem negativen Ergebnis in niedriger dreistelliger Millionenhöhe gerechnet. Weitere Restrukturierungs-aufwendungen sind je nach Fortgang der Transformation möglich.

Dietrich Voigtländer: „Im Jahr 2013 werden wir den Rückbau verbleibender Konzernteile aus der Zeit der WestLB beschleunigt und kapitalschonend vorantreiben. Zugleich werden wir eine privatisierungsfähige Servicegesellschaft mit einem überzeugenden und marktgerechten Geschäftsmodell aufbauen, die sowohl für Kunden als auch Investoren interessant ist.“

Portigon AG Erfolgsrechnung vom 1. Januar bis 31. Dezember 2012

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Portigon AG Bilanz zum 31. Dezember 2012

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