Komplexer Umbau des Konzerns auf der Zielgeraden

- Kosten um 13% gesenkt
- Kundenakquisition für Portigon im Fokus
- Ertragslage durch sukzessive Einstellung des Neugeschäfts belastet 

Die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2012 waren von der tiefgreifenden Transformation der WestLB AG (seit 2. Juli 2012 firmierend als Portigon AG) geprägt. Bis zum 30. Juni 2012 wurden weitere Teilbereiche des Konzerns veräußert. Die Helaba übernimmt mit Wirkung zum 1. Juli 2012 das Verbundgeschäft (sog. Verbundbank) mit einer Bilanzsumme von rund 40 Mrd € und die Depotbank- und Zahlungs-verkehrsfunktionen mit Wirkung zum 17. September 2012. Die Risiken des verbleibenden Portfolios werden rückwirkend auf die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) übertragen.

Die Ertragslage im ersten Halbjahr 2012 war durch erhebliche Belastungen aufgrund des Umbaus geprägt. Diese führten zu einem Ergebnis vor Steuern in Höhe von -365 Mio € (i.V. 50 Mio €). Die Erträge des Konzerns verringerten sich gegenüber der Vorjahresperiode um 506 Mio € auf 237 Mio €. Durch die sukzessive Einstellung des Neugeschäfts gingen der Zins- und der Provisionsüberschuss deutlich zurück. Der Zinsüberschuss belief sich auf 343 Mio € (i.V. 565 Mio €). Die gestiegene Kreditrisiko-vorsorge (134 Mio € nach 55 Mio € im Vorjahr) ist insbesondere auf das internationale Finanzierungsgeschäft zurückzuführen. Der Provisions-überschuss betrug 84 Mio € (i.V. 120 Mio €). Das Handelsergebnis belief sich auf -182 Mio € (i.V. 26 Mio €). Besondere Belastungen in Summe von 186 Mio € ergaben sich dabei durch Bewertungseffekte, u.a. aus der Anwendung des IAS 39 in Höhe von 130 Mio € (i.V. 155 Mio €) sowie durch Credit Spread-Veränderungen bei eigenen Passiva (Belastung von 74 Mio € nach Entlastung von 167 Mio € im Vorjahr). Das Finanzanlage-ergebnis in Höhe von -21 Mio € (i.V. 9 Mio €) enthält im Wesentlichen das Ergebnis aus dem Verkauf von Staatsanleihen der Tochtergesellschaft Westdeutsche ImmobilienBank sowie Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen.

Der Verwaltungsaufwand sank in den ersten sechs Monaten 2012 um 13% auf 416 Mio € (i.V. 480 Mio €). Die Zahl der Vollzeitkräfte ging gegenüber Ende 2011 um 225 auf 3.963 zurück. Der Saldo aus sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen belief sich auf 13 Mio € (i.V. 23 Mio €). Der Transformationsprozess führte zu Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 52 Mio € (i.V. 158 Mio €).

Die Konzernbilanzsumme erhöhte sich zum Stichtag 30. Juni 2012 im Vergleich zum Jahresende 2011 um 2,9 Mrd € auf 170,8 Mrd €. Der Anstieg ist auf den Ankauf von Emissionen der EAA sowie das Einlagengeschäft mit der EAA in Vorbereitung der anstehenden Übertragungen zurückzuführen. Bereinigt um positive Marktwerte aus derivativen Finanz- und Sicherungsinstrumenten erreichte die Bilanzsumme zum Stichtag rund 119 Mrd €. Die Risikoaktiva beliefen sich auf 42,6 Mrd € (Ende 2011: 48,3 Mrd €). Die Kernkapitalquote stieg auf 10,0% (Ende 2011: 8,8%), die harte Kernkapitalquote (d.h. ohne Berücksichtigung der Stillen Einlage aus dem Jahr 2005) erreichte 9% (Ende 2011: 8%).

Im ersten Halbjahr wurden weitere Teilbereiche veräußert. Die Verträge für den Verkauf der Tochtergesellschaften Banco WestLB do Brasil S.A., Bank WestLB Vostok (ZAO) und Universal Factoring GmbH wurden unterzeichnet. Darüber hinaus wurden das zum Strukturierten Finanzierungsgeschäft gehörende „Subscription Commitment Facilities“-Portfolio und der 50% Anteil am Joint Venture WestLB Mellon Asset Managment Holdings Ltd veräußert. Zudem verkaufte die readybank ag ihre verbliebenen Privatkundenaktiva.

Transformation auf der Zielgeraden – Startschuss für Portigon

Im ersten Halbjahr 2012 wurden die wesentlichen Voraussetzungen für den Umbau des Konzerns geschaffen und am 30. Juni 2012 fristgerecht ein entsprechender Rahmenvertrag unterzeichnet. Alle für die Aufspaltung erforderlichen Verträge werden planmäßig bis zum 31. August 2012 beurkundet.

Portigon ist rechtsträgeridentisch mit der WestLB und ist ein international tätiger Servicer und Portfoliomanager für Finanzdienstleister. Portigon ist an Standorten in Europa, Amerika und Asien vertreten und bietet seinen Kunden umfassende Leistungen für das Management komplexer Portfolios. Dabei knüpft Portigon an die Erfahrungen aus dem Bankbetrieb der ehemaligen WestLB an, die bereits seit 2009 ein verlässlicher Partner der EAA ist. Darüber hinaus wird Portigon die Verbundbank in den kommenden zwei Jahren mit Dienstleistungen unterstützen. Weitere Zielkunden sind weltweit Abwicklungsinstitute, Banken mit internen Restrukturierungseinheiten und Kapitalinvestoren, die über große Kredit- oder Wertpapierportfolios verfügen bzw. diese akquirieren wollen.

Portigon Vorstandschef Dietrich Voigtländer: „Der Umbau der Bank ist ein Kraftakt, den wir mit vereinten Kräften meistern. Für die Beschäftigten und den Vorstand ist es ein sehr schmerzhafter Prozess. Gleichwohl haben wir den Blick nach vorne gerichtet und werden weiter mit aller Kraft daran arbeiten, Portigon mit einer klaren strategischen Ausrichtung am Markt zu positionieren. Die Akquisition neuer Kunden wird in den nächsten Monaten besonders im Fokus stehen. Hier führen wir bereits erste konkrete Verhandlungen und Sondierungsgespräche mit diversen Adressen.“

Konzern Gewinn- und Verlustrechnung vom 1. Januar bis 30. Juni 2012

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